Gut gestaltete und genutzte Gärten sind Orte der Erholung und des Genusses. Gartennutzer sind stressresistenter, gesünder, verfügen über eine geschärfte Wahrnehmung und erleben den Wechsel der Jahreszeiten und den vielfältigen Ausdruck von Pflanzen und Tieren.

Eine generationsübergreifende Nutzung konzentriert sich auf den verkehrsfreien Innenhof als Mittelpunkt der Anlage. Die hier angebotenen Spielgeräte und Ausstattungsgegenstände ermöglichen Menschen jeden Alters, mit und ohne Einschränkungen, Kommunikation und Aktion in gleichen Maßen. Die Atmosphäre der denkmalgeschützten Gebäude, liebevoll und ansprechend begrünt, verleihen dem Innenhof einen besonderen Ausdruck. Dabei sein, Unterhaltung, Aktion oder auch einfaches Teilhaben an dem Spaß, der Aktion anderer Menschen heißt nicht allein sein. Das ist Erholung und Entfaltung.

Und so ist es geplant: Mütter und Kinder erkunden die Spielmöglichkeiten, Jugendliche stecken die Köpfe zusammen, ein älterer Herr mit Rollator dreht seine Runden, Kinder mit Erzieherin basteln, zwei Männer spielen Schach, Servicepersonal huscht durch den fast vollständig belegten Außengastronomiebereich, ein Eichhörnchen flitzt durch den Walnussbaum und die  bunte Bepflanzung der Terrassenbereiche erzählt von den grünen Ambitionen ihrer Bewohner. Auf den barrierefreien Terrassenbereichen des Neubaus zeigt sich, dass es auch mit Einschränkungen möglich ist, Pflanzenpracht zu erfahren und süße Früchte aus eigenem Anbau zu genießen.

Herausgehen, mitmachen oder mit Blick vom Balkon oder von Innen teilnehmen an der Lebendigkeit der Anderen. Das ist ein Lebensraum vom Mehrgenerationenprojekt Oberhof.

Eine ganz andere Qualität Lebensraum findet sich in den Quartiersbereichen Süd und West mit Garten. Hier dominiert Grün und Natur. Das gärtnerische Konzept ist auf eine Balance von Ökologie und Bewohnern ausgerichtet. Ein Garten für alle bietet seinen Menschen Entspannung, Aktion und Kontakt mit Vögeln, Insekten und allem was sich natürlich einstellt. Dort beobachten Sie u.a. eine Holzbiene an einer Blüte oder ein Schwalbenschwänzchen, wie es hubschraubergleich die Geranien und den Sommerflieder erkundet. Erleben Sie die Stieglitze an den Futterstationen und die Flugschule der Spatzen, die dankbar eine angebotene Kolonie von Nistenkästen an der oberen Fassade angenommen haben. Grundlage für die Gestaltung ist das Oberhof Gartenbuch, das die „Dos and Don`ts“ festlegt. Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel steht zum Beispiel auf der Negativliste, wo hingegen die Herstellung von Pflanzenstärkungsmitteln unbedingt empfohlen wird. Das Oberhof Gartenbuch zeigt Gestaltungsmöglichkeiten auf und gibt Hinweise, wie in den Oberhof-Gärten ein natürlich, gesundes Miteinander möglich ist.

Den ehemaligen Pächtergarten zum Beispiel teilen sich drei Familien. Zäune gibt es hier nicht, die Familien leben nach dem aktuellen Bedürfnis, zurückgezogen oder gemeinsam.  Die Gestaltung entspricht einer lebendigen, bunten Mischung aus Zier- und Nutzgarten. Mit der Übernahme ihrer Wohnungen hat man, unterstützt von der Gartenexpertin der Oberhof-Genossenschaft, Ideen gesammelt, Wünsche formuliert und so Gartenbereiche geschaffen, die Vorlieben und Schwerpunkte der Bewohner abbilden.

Familie A hat sich zum Beispiel ein Beet angelegt, wo zusammen mit attraktiven Stauden alle sieben Kräuter der Frankfurter Grünen Soße wachsen. Also Kräuterspaß pur für den reichlichen Verzehr.  Die Familie B sind die Obstliebhaber. Leckere alte Apfelsorten zu verschiedenen Jahreszeiten genießen, stellte sich zunächst als Herausforderung dar. Doch nach intensiver Beratung, einem kleinen Einstieg in die Pomologie = Lehre von dem Obst, entstand die Idee des Familienbaums, der mit vier verschiedenen Veredelungen allen Wünschen entgegenkommt. Dann gibt es dort noch die gemeinsamen Anbauflächen. Frischer Bio- Salat und Bio-Gemüse aus eigener Anzucht sind gesund und lecker und die Kinder lernen Nutzen und Handhabung von giftfreien Lebensmitteln. Die bunte Blumenwiese entsprach auch dem Wunsch aller: Düfte wahrnehmen, Farben genießen, Insekten beobachten und auch mal einen Strauß für die Wohnung pflücken.

Die Gärten am Westflügel haben wiederum einen ganz anderen Charme. Terrassiert mit Trockenmauern steigt das Gelände in Richtung Westen an. Eine dichte Pflanzung schirmt zur Nachbarschaft ab und bietet mit standortgerechter Bepflanzung einen Lebensraum für die Wildtiere und Vögel. Gartennutzer haben dort Nistkästen angebracht, Insektenhotels fordern zum Einzug auf und die Mauersteine werden zum Rückzugsort für Amphibien. Auch hier bestehen die Gartenflächen aus „persönlichen Bereichen“ direkt um die Terrassen.  Dort befinden sich die Sitzgruppen, ein Planschbecken für die Kinder, der Grill des Familienoberhaupts und ausreichend Platz für das Sonnenbad.  Auf der Gemeinschaftsfläche wurde ein Bauerngarten angelegt. Salate und farbige Kohlköpfe wechseln sich dort mit bunten Blumen ab.  Einige Teile sind makellos unkrautfrei, in anderen Teilen wachsen schon mal Beikräuter. Unter einem größeren Baum haben die Bewohner eine Rundbank aufgestellt. Und wenn die Mittagsonne zu sehr brennt, wird der Baumschatten zu Kommunikations- und Entspannungsort. Die Lebensräume des Oberhofs sind eben Wohlfühlräume.

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