Das unter Denkmalschutz stehende dreiflügelige Ensemble wird um einen vierten Flügel ergänzt und zum genossenschaftlichen Mehrgenerationen-Wohnprojekt umgebaut. Mit verschiedenen öffentlichen und sozialen Einrichtungen sowie Gewerbe.

Die ehemalige Staatsdomäne Oberhof wurde in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts als Dreiseithof errichtet. Ursprünglich bestand das Ensemble aus einem Nord-, West- und Südflügel. Eine in den 1960er Jahren erbaute Hallenkonstruktion an der östlichen Grundstücksgrenze ergänzte die Hofanlage zum Vierseithof und bildet einen geschützten Innenhof. Er wird über eine Zufahrt durch ein altes Eisentor erreicht, das sich zwischen zwei massiven Sandsteinsäulen befindet. Das Pächter-Wohnhaus ist eine Fachwerkkonstruktion, während die Scheunen und Stallungen aus Ziegeln gemauert sind. Die alten Stalllungen des Süd- und Westflügels zieren Kreuzgratgewölbe und raumspannende Sandsteinbögen. Die Dächer werden von gut erhaltenen Gebälk getragen.

Mit Aufgabe der landwirtschaftliche Nutzung der Hofanlage entstand die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens im historischen Ambiente. Um die Hofanlage vielseitig zu bespielen und zu beleben, sieht das Nutzungskonzept eine sehr heterogene Mischung aus teils barrierefreien Wohnungen, öffentlichen sozialen Einrichtungen und Gewerbe vor. Veranstaltungen wie die Apfel- und Streuobstwiesenroute, Kunstwerkstatt, Engelsgeflüster, Erntedankfest und vieles mehr laden die Bevölkerung zum Feiern ein. Nicht zuletzt deshalb hat das Projekt viel Unterstützung in der langen Entwicklungsphase erfahren.

Vier Flügel, vier Nutzungskonzepte
Die Hallenkonstruktion aus den 1960er Jahren wird abgerissen und durch den Ostflügel - einen Neubau mit barrierefreien Wohnungen – ersetzt. Der Nordflügel hingegen wird von sozialen und öffentlichen Einrichtungen genutzt: Stadtteilbücherei, Jugendzentrum, Diakonie, Arztpraxis, Volkshochschule und AWO. Der Westflügel mit den hohen Lufträumen der Scheunen bietet ausreichend Platz für schön geschnittene Maisonette-Wohnungen sowie 3 Haus-in-Haus-Konstruktionen - alle mit Gartennutzung. Im ehemaligen Pferdestall werden zukünftig leckere Speisen serviert. Im Südflügel befindet sich der ehemalige Kuhstall, der als Veranstaltungssaal genutzt wird, sowie einigen Ateliers Platz bietet. Das OG mit Loft- und Maisonette-Wohnungen ist über einen Laubengang aus Stahl erreichbar. Hier begegnet man sich und tauscht sich aus beim Nachbarschaftsplausch. Der von den vier Gebäudeflügeln umgebende Innenhof ist das Herzstück der Anlage. Idyllisch und autofrei. In seinem Zentrum entstehen ein Spielplatz, sowie gemütliche Sitzbereiche, die zum Verweilen einladen. Die Stellplätze befi nden sich nördlich und südlich des Innenhofs.

Altes bewahren, Neues hinzugewinnen
Um den Charakter der Scheunen und Stallungen und zu erhalten, werden die Eingriffe in die denkmalgeschützte Substanz äußerst behutsam sein. Die zukünftigen Nutzungen werden sehr sensibel in die vorhandenen Gebäudestrukturen eingefügt. Sie passen sich diesen an und nicht umgekehrt. Jeder Gebäudeabschnitt hat seine charakteristischen Eigenheiten. Durch die individuelle Gestaltung der verschiedenen Nutzungseinheiten entwickelt jede ihren ganz eigenen architektonischen Charme.

Durch eine rechtzeitige und vorausschauende Abstimmung mit den Fachplanern für Standsicherheit und Brandschutz sowie den beteiligten Fachbehörden können z.B. die historischen Dachstühle erhalten werden. Das Tragwerk bleibt in seiner ursprünglichen Form bestehen und sichtbar. Zusätzliche Ausbaulasten werden durch den Einsatz leichter Tonziegel kompensiert. Vor allem die Stadtteilbibliothek und die Dachgeschoss-Wohnungen des Südflügels werden durch die alten Tragwerke geprägt. Ein kontrastreiches Zusammenspiel zwischen alten, aufgearbeiteten und modernen Elementen entsteht. Es lässt sich über Materialien, Farben und Haptik erfahren.

Umwelt- und menschenfreundlich bauen
Die Materialien für den Innenausbau sind nachhaltig, ökologisch und emissionsarm. Trockenausbauplatten aus Naturgips, Kalk- und Lehmfarben, geölte Hölzer, Linoleumparkett und Kautschuk als Bodenbeläge, Calcium-Silikatplatten als Innendämmung, Zellulose-Einblasdämmung für die Dachflächen, Tonziegel und Holzfenster. Sie tragen zum Umweltschutz wie auch zu einem gesunden Raumklima bei. Im Neubau des Ostflügels werden die Außenwände in Holzrahmenbauweise ausgebildet. Holz als nachwachsender Rohstoff leistet einen wichtigen Beitrag zur positiven CO2 Bilanz.

 

Ein Blockheizkraftwerk produziert Strom und Wärme
Die Anforderungen des Erneuerbaren Energie Gesetzes werden erfüllt. KfW 55 für die Neubauten und KfW Denkmal für die historische Bausubstanz. Das heterogene Nutzungskonzept in Verbindung mit einem genossenschaftlichen Mietmodell bietet die Basis für ein beispielhaftes Projekt. Hier werden Menschen für und miteinander leben. Tolerant und rücksichtsvoll. Zur Bewältigung des demografischen Wandels braucht es Wertschätzung und Offenheit der Generationen untereinander. Das Projekt Oberhof will seinen Beitrag dazu leisten – und ein Zeichen setzen für viele weitere Mehrgenerationen-Projekte.

 

 

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